„FAT – Du und ich und so viel mehr“ von L. Ochrasy

Vorwort:
Da mir das Buch aus persönlichen Gründen sehr nahe ging, möchte ich vorab noch etwas dazu sagen. Ich bin absolut gegen Mobbing, aber – und das sollte man sich immer vor Augen halten – es ist das eine jemandem eine gesündere Lebensweise nahezulegen und das andere jemandem vor dem Kopf zu knallen, er sei fett; auch wenn man der Meinung ist, dass sei doch nur die Wahrheit. Der Ton macht die Musik. Zudem sollte man Menschen, wenn sie sich entscheiden etwas zu ändern, sie auch unterstützen und nicht sich darüber lustig machen, sonst gerät diese Person nämlich schnell in einen Strudel aus Zweifel – oder Fehlentscheidungen. Wir sollten die Personen, die sich Ziele setzten, nicht belächeln, denn das demotiviert. Man sollte sie nicht mit etlichen, der eigenen Meinung nach, super tollen Ratschlägen überhäufen, denn das kann überfordern. Das wichtigste ist es, die Person zu unterstützen, indem man ihre Entscheidung etwas zu ändern akzeptiert. (Und ich möchte hier jetzt für so ziemlich alle Lebenslagen sprechen, nicht nur Essstörungen, Über- oder Untergewicht.) So ging es mir nämlich, und tut es immer noch. Ich habe mir nicht ausgesucht, dass mein Vater einen nervösen Magen hatte und mir den Schmarrn vererbt. Das ging jetzt eben mal über 30 Jahre gut, bis eben der Knall kam. So habe ich für mich einen Weg gesucht, der sinnvoll ist, und begehbar. Meine bessere Hälfte steht absolut hinter mir und dennoch habe ich, weil ich oft belächelt wurde in früheren Zeiten, immer das Gefühl mich rechtfertigen zu müssen, weil ich jetzt beispielsweise alles in fettarm esse. Dabei mache ich das nicht, weil ich abnehmen möchte, sondern, weil es es mich schlichtweg gesünder macht. Ich find’s nämlich echt nicht geil keine Luft zu bekommen oder ständig husten zu müssen. Vor allem wird man heutzutage auch sehr schief angeschaut, wenn man ständig keucht. Oder auch Kommentare, wie von den „Schweigereltern“, die dann fragen, was ich denn eigentlich noch essen dürfe – und das mit diesem bestimmten Ton, den sicher der eine oder andere kennt. Das ist nicht schön, wirklich nicht. Dabei ist alles was man selbst will: gesund sein. Genau deswegen geht mir die Geschichte von Lina, wenngleich sie teilweise doch eher ungesund -oder stellenweise unrealistisch ist – sehr nah, denn leider gibt es viel zu viele Jonas und Jennys. Viel zu viele. Und viel zu oft verschließen die Mitschüler, Kollegen oder andere Außenstehende die Augen davor. Zum einen, weil sie nicht ins Kreuzfeuer geraten wollen, zum andern, weil es doch unterhaltsam ist, oder man der Meinung ist, dass es einen nichts anginge. Mir ist bewusst, dass ich mit meinen Worten nicht die Täter erreiche, denn das wäre ja zu schön, aber vielleicht jemanden, der jemanden kennt, der Opfer ist und vielleicht denkt er oder sie einfach mal darüber nach einzugreifen. Man muss nicht selbst eingreifen, sondern vielleicht eine neutrale Person wie einen Lehrer, Chef, o. ä. finden, die sich zwischen schaltet.
So, das war jetzt echt noch mehr als ich dachte – und wenn ich mich lassen würde, würde es vermutlich noch mehr werden-, aber es war mir wichtig und beinahe wäre auch die Rezension in die Richtung ausgeufert. Also seid wachsam, achtet auf euch, aber auch auf andere. Und wenn euch jemand nicht passt, dann macht ihn nicht nieder, damit ist nämlich niemandem geholfen, auch euch nicht, sondern geht einfach eures Weges.

Klappentext:

In sechs Wochen kann viel passieren.
In den Sommerferien verändert sich Linas Aussehen radikal: Sie verliert ihren Babyspeck, entdeckt Make-up und wird die gehasste Zahnspange los. Sie erkennt sich selbst nicht wieder – und das Beste ist: ihre Mitschüler, die ihr bisher das Leben zur Hölle gemacht haben, auch nicht! Lina beschließt, Rache zu nehmen. Allen voran an Jona Fitz. Doch dann funkt ihr Herz immer mehr dazwischen …

Meinung:

Ich mag dieses Buch, wirklich, aber ich habe auch leider genauso Kritikpunkte. Lange Zeit erfährt man gar nicht wie viel Lina eigentlich abgenommen hat, doch irgendwann wird klar, dass es locker an die 40 Kilo sein müssten. Irgendwann wird auch am Rande erwähnt, dass sie bereits vor den Ferien begonnen hatte abzunehmen. Warum ich das spoiler? Damit es euch beim Lesen nicht geht wie mir, denn ich weiß wie schwer es ist abzunehmen und diese Menge an Gewicht, in 6 Wochen, haben mich gewaltig mit den Ohren schlackern lassen. Besonders als dann noch aufkam, dass ihr Körper, außer an einer Stelle, schon wieder schön straff sei. Sorry, aber das ist einfach nicht glaubwürdig. Wobei ich auch verstehe, dass die Autorin diesen Weg gewählt hat, um die Geschichte einfacher zum laufen zu bringen bzw. schneller zum eigentlichen Punkt zu kommen. Die Charaktere sind ebenfalls etwas anstrengend, denn Lina ist unfassbar naiv und Jona, der ist eben Jona. Wie schon der Klappentext verrät, ist sie auf dem besten Weg sich in ihn zu verlieben, obwohl er ihr immer das Leben zur Hölle gemacht hat – und damit auch nicht aufhört, zumindest anderen gegenüber, nur weil er jetzt nett zu ihr ist, da sie Germanys next Topmodel ist.

Entsprechend anstrengend ist es als Außenstehender die Fassung zu wahren, weil man Jona gern eine auf die Nase geben möchte, und Lina gleich mit. Dem einen für seine unfassbar arrogante Art und der anderen, weil sie einfach die Augen nicht aufmacht. Wer sich gespoilert fühlt, für den tut es mir leid, aber ich denke, dass ich nicht mehr verrate als der Klappentext eigentlich schon suggeriert. Zudem passiert natürlich noch einiges mehr in dem Buch, schließlich hat die Autorin knapp 300 Seiten mit der Geschichte gefüllt. Trotz meiner erwähnten Kritikpunkte, fand ich die Message hinter dem Buch unglaublich wichtig. Wir sollten uns dem Schönheitswahn nicht hingeben, auch wenn es bedeutet von dem einen oder anderen Menschen weniger akzeptiert zu werden. Es kommt auf die an, die uns akzeptieren. Wenn Mobbing auftritt, dann muss man sich wehren, oder eingreifen. Ebenfalls ein Thema, das in diesem Buch Platz findet. Nicht einfach die anderen machen lassen, denn auch Schweigen bestätigt denjenigen in seinem tun. Aber ich will jetzt hier gar nicht ausschweifen oder einen Vortrag halten. Ich wollte lediglich verdeutlichen, wie sehr mir diese Themen am Herzen liegen.

Besonders gegen Ende, als sich die Situation dann zuspitze, trieb mir die Geschichte die Tränen in die Augen. Hier möchte ich auch gar nicht mehr dazu sagen, außer dass ich es sehr fühlen konnte. Im Grunde würde ich sagen, dass es kein super Buch ist, auch kein so tolles, aber ein Buch, dass mich aufgrund seiner Thematik doch sehr mitgenommen hat. Lässt man einige unlogischen Punkte, wie super straffe Haut nach einer so große Abnahme, außer Acht, dann ist es tatsächlich ein bisschen wie im richtigen Leben. Leider.

Fazit:

Eine berührende Geschichte darüber, dass man es nicht jedem recht machen kann und man sich selbst treu bleiben sollte.


Der Schluss:
Autor: L. Ochrasy
Verlag: Piper
Preis: 13,00 €
Seiten: 288
ISBN: 978-3-492-50529-1
Altersempfehlung: ab ? Jahren
weitere Formate: eBook



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2 Kommentare zu „„FAT – Du und ich und so viel mehr“ von L. Ochrasy

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