„Die Legende der Adlerkrieger“ von Jin Yong [Gastbeitrag / Abbruch]

Klappentext:

Kurz bevor sie von den Soldaten des Jin-Reiches getötet werden, schließen die beiden Kung-Fu-Kämpfer Guo Xiaotian und Yang Tiexin einen Pakt: Auf immer sollen ihre beiden noch ungeborenen Kinder einander in Treue verbunden sein. Während der Weg des Schicksals Yangs schwangere Frau an den Hof des Jin-Prinzen führt, verschlägt es Guos Frau in die weiten Steppen der Mongolei. Dort bringt sie ihren Sohn Guo Jing zur Welt, und die beiden finden Unterschlupf beim Clan des aufstrebenden Mongolenfürsten Dschingis Khan. Bald wird Guo Jing von den Sieben Sonderlingen des Südens, den herausragendsten Kung-Fu-Meistern, zum Kämpfer ausgebildet. Und schon bald findet sich der tapfere und gutherzige junge Krieger inmitten eines gewaltigen Abenteuers wieder, bei dem es um nichts Geringeres geht als das Schicksal Chinas selbst. Noch ahnt Guo Jing nicht, dass sein mächtigster Gegenspieler der von seinem verstorbenen Vater auserkorene Schwurbruder Yang sein wird …

Meinung:

Wir befinden uns im China zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Das Volk der Song wird von Kaiser Ningzong und dessen Jin-Soldaten und korrupten Beamten unterdrückt. Jedoch gibt es noch einige Widerstandskämpfer die sich nicht mir der Vertreibung aus ihrem ursprünglichen Ländereien abfinden können und auf ihre Gelegenheit warten zurückzuschlagen.

Der chinesische „Herr der Ringe“ ist auf dem Cover zu lesen, dazu zwei umeinander wirbelnde Kung-Fu Kämpfer. Die Vorfreude ist geweckt: auf eine epische Geschichte über den Kampf zwischen Gut und Böse mit Charakteren wie man sie aus „Tiger & Dragon“ oder „Hero“ kennt. Auf die Heraufbeschwörung der visuellen Wucht, wie sie diese Filme in den eleganten, schwerelosen Kämpfen zeigen.

Mit diesen Kämpfen geht es dann auch bald los, nachdem man bei den beiden Bauern Guo Xiaotian und Yang Tiexin aus dem Song-Volk gelandet ist. Aus dem gemeinsamen Abend mit Essen und Schnaps entwickelt sich nach dem Auftauchen des Mönchs Qiu Chuji, der von einem Trupp feindlicher Jin-Soldaten verfolgt wird, der erste größere Kampf. Nur ein Soldat überlebt schwerverletzt. Bao Xiruo, Yang Tiexins schwangere Frau, versteckt den Soldaten in der Scheune und pflegt ihn, bis er kurz darauf verschwindet. Wenig überraschend stehen wenig später die nächsten Soldaten vor dem Haus, die Yang und Guo ermorden und ihre beiden Frauen getrennt voneinander verschleppen. Die Frauen gebären kurz darauf jeweils ein Kind. Die als Feinde aufwachsenden Kinder werden schließlich zu den Hauptprotagonisten der Geschichte.

Aber bereits bevor es so weit ist, hat einen der Verdacht beschlichen, daß man weder in „Herr der Ringe“ gelandet ist, noch „Tiger & Dragon“ vor Augen hat. Die im Laufe der Geschichte eingeführten Charaktere sind dermaßen flach und einseitig, daß sie einem entweder egal sind, oder schon wieder Aggressionen hervorrufen. Statt halbwegs vernünftig denkende Menschen oder charakterlich interessante Spinner als Helden der Geschichte zu beschreiben, werden eher sture Holzköpfe beschrieben die großartiges Kung-Fu beherrschen und deren Sturheit gerne genutzt wird, um einen der zahlreichen Kämpf noch etwas hinauszuzögern. Hauptsache jeder Charakter hat seine einzigartige Kung-Fu Kunst unter Beweis gestellt.

Dabei teilen sich die Charaktere des Buchs ganz einfach in die zwei Kategorien Gut und Böse. Die Guten kämpfen, überleben meist und töten nebenher massenweise böse Gegner, die dann schnell in Massengräbern verscharrt werden. Weiter geht es zum nächsten Schauplatz. Sollten die Guten mal wieder untereinander kämpfen, weil sie sich noch nicht genug kennen und zu sturköpfig sind, statt zu kämpfen lieber kurz miteinander zu reden, werden sie am Ende trotzdem für ein heldenhaftes Ziel am selben Strang ziehen.

Dabei stellen sich im Kopf während der ganzen Kämpfe keineswegs die faszinierenden, durchchoreographierten Bilder bekannter asiatischer Kung-Fu Filme ein, sondern man kann die Beschreibungen wunderbar dazu nutzen ohne großes Nachdenken schnell ein paar Seiten hinter sich zu bringen.

Wird nicht gekämpft wird entweder schnell von einem Ort zum nächsten gereist oder ein wenig geredet. Auch hier ist schnelles Lesen von Vorteil: Je schneller man liest, desto weniger stört einen das banale Geschwafel der Protagonisten. Zumindest bis man über die nächsten vor Pathos triefenden Sätze stolpert, wenn aus Erzfeinden innerhalb von zwei Seiten Verbündete werden, die sich direkt füreinander opfern würden.

Die Story an sich ist bei all dem lediglich ein Weg der notgedrungen gegangen werden muß, um von einem Kampfschauplatz zum nächsten zu gelangen. Und dieser Weg ist keineswegs faszinierend und episch beschrieben wie der „Herr der Ringe“-Vergleich vermuten ließ. Ja, ich kann verstehen wenn einige Leser gelangweilt sind, wenn über mehrere Absätze Landschaften beschrieben werden, aber das gehört für mich dazu, wenn eine Welt erschaffen werden soll, in die man sich hineinversetzen kann. Manche benötigen davon mehr, manche weniger. Hier beschränken sich die Beschreibungen großteils auf „Dorf“, „Wald“, „Kloster“, „Steppe“, „im Norden“, „im Süden“. Das ist mir deutlich zu wenig.

Und ja, auch die erwähnten Filme „Tiger &Dragon“ und besonders „Hero“ sind übertrieben heldenhaft, pathetisch und fallen nicht unbedingt durch tiefe Weisheit auf. Allerdings wissen sie es durch Atmosphäre und faszinierende Bilder auszugleichen. Hier ist nichts davon zu finden.

Fazit:

Mag sein, daß meine Erwartungen an dieses Buch mit den auf dem Einband abgedruckten Vergleichen und Vorschußlorbeeren so gesteigert wurden, daß sie nur enttäuscht werden konnten. Oder meine Lesegewohnheiten sind einfach nicht kompatibel mit dieser Art des Geschichtenerzählens. Aber schließlich denke ich mir nach 200 Seiten, daß man mit seiner Zeit besseres anfangen kann, als sich durch die restlichen 400 bevorstehenden Seiten zu quälen.

Noch einmal „Herr der Ringe“ lesen zum Beispiel. Oder „Tiger & Dragon“ anschauen…


Der Schluss:
Autor: Jin Yong
Verlag: Heyne
Preis: 16,99 €
Seiten: 576
ISBN: 978-3-453-31990-5
Altersempfehlung: ab ? Jahren
weitere Formate: eBook

Die Reihe:
Band 1: Die Legende der Adlerkrieger
Band 2: Der Schwur der Adlerkrieger (ET: 09.08.2021)

Beitragsverfasser: Wuschels Mister
Kommentar der Redaktion: Die Rezension gefällt mir, aber vor dem Buch hab ich jetzt doch etwas Bedenken.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s