Moods on Monday – Woche 3

Willkommen, zu „Moods on Monday“!

Um die Sache einfach zu gestalten, habe ich die vorherigen Beiträge am Ende des Beitrages verlinkt.


In der dritten Woche ging es darum sich den Beschwerden anzunähern. Also einmal Kuscheln bitte!

Die Übungen fand ich insofern interessant, weil sie wirklich einfach war. Okay, es mir als abstraktes Wesen vorzustellen ist jetzt nicht unbedingt meins, aber das darüber nachdenken, wann man Beschwerden hat, was bisher geholfen hat ist auch ohne Beschwerden eine gute Übung um mal wieder zu reflektieren.

Irgendwann bin ich dann sogar dazu übergegangen, wenn ich wenig oder nichts mehr zu sagen zu hatte, einfach nur noch zu schreiben. Ich schrieb über ein Buch, das ich die Woche gehört habe („Neujahr“ von Julie Zeh), das mich schwer beschäftigte. Doch ich schrieb nicht einfach über die Geschichte, sondern wie ich sie empfand. Zwei oder drei Tage in Folge füllte ich volle zwei Seiten in meinem Heft. Ich achtete nicht mehr auf die Zeit, sondern schrieb einfach.

Am „schlimmsten“ war die Frage was die ersten Beschwerden waren und wann sie anfingen. Ein Thema, über das ich bisher nur mit wenigen Menschen gesprochen habe. Manchmal frage ich mich warum das eigentlich so ist. Habe ich Angst verurteilt zu werden? Nein, ich glaube eher, dass es die Tatsache ist, dass man mir nicht glaubt und die mitleidigen Blicke. Ich hasse mitleidige Blicke! Ich hasse es, wenn ich jemandem erzähle, dass meine Eltern nicht mehr leben und dann schaut man mich an als sei ich ein verletztes Tier. Es ist nun mal ein Fakt, dass das Leben endlich ist. Wir alle habe nur begrenzte Lebenszeit. Das soll nicht heißen, dass ein Verlust nicht tragisch ist, aber man sollte dennoch „normal“ damit umgehen.

So, nun bin ich gekonnt abgeschweift. Auf jeden Fall habe ich darüber nachgedacht, wann es begann. Ich könnte es nicht mehr datieren, weil es lange her ist. Meine Mutter lebte noch, denn es waren ihre Tabletten, die ich geklaut habe und es war vor ihrer Chemo, wenn ich mich recht entsinne. Oder währenddessen; ich war schätzungsweise 11 Jahre alt. Natürlich wusste ich nicht, dass Medikamente einen Sicherheitsmechanismus haben, der bewirkt, dass man sich einfach alles wieder durch den Kopf gehen lässt und meine Ärztin kam nicht auf die Idee, dass ich sowas überhaupt anstelle, weswegen sie einfach auf eine Blinddarmentzündung tippte. Beim zweiten Versuch ließ mich mein Dad einfach daheim– wird schon wieder –, das war 2000 als meine Mutter dann schon zusätzliche Pflege brauchte, und dann gab ich erst mal auf, weil ich dachte, dass meine Schutzengel einfach zu gut auf mich aufpassen. Kindliche Naivität ist was Feines. Den Punkt der darauffolgenden Jahre, in denen ich körperlichen Schmerz für seelischen tauschte, spare ich heute mal aus, da dies nun genug „Geständnisse“ für einen Tag waren.
Dennoch, und das war die Erkenntnis überhaupt aus dieser Woche schreiben, erinnere ich mich an vieles nicht mehr. Es ist als wäre ein schwarzes Loch über all diese Situationen (von denen ich jetzt nur zwei aufgezählt habe) hinweggefegt und hätte sie verschlungen. Ich erinnere mich an Gedanken- und Gefühlsfetzen. Das Gefühl Ballast zu sein. Später war es der Gedanke, dass mein Verschwinden sowieso nicht auffallen würde, denn scheinbar nahm man mich lebend schon nicht wahr; oder lediglich als negativen Aspekt.

Auf der einen Seite weiß ich, dass es ungesund ist, da man dies aufarbeiten sollte, sich damit auseinandersetzten, aber – und da komme ich dann leider erst in der nächsten Woche dazu – aktuell ist es einfach befreiend „erinnerungslos“ zu sein. Ich weiß was war, so mehr oder weniger. Ich weiß, wie ich da wieder wegkomme, wenn es wieder geschähe. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn es mir gut geht. Und ich weiß, dass ein Aufarbeiten all diesen Schmerz wieder hervorholen würde. Doch ich weiß nicht, ob ich je bereit sein werde mich dem zu stellen. Früher habe ich immer gesagt, das wird der Tag sein, an dem man mich einweisen muss, weil ich es selbst nicht mehr schaffe. Heute denke ich, dass ich die Vergangenheit einfach Vergangenheit sein lassen sollte, denn mit einem Schatten kann ich leben, aber ein Monster auf meiner Schulter könnte ich nicht ertragen. Zudem kann ich das was war nicht mehr ändern, aber was ist und sein wird, das kann ich sehr wohl beeinflussen.

Ich weiß gar nicht was ich jetzt noch schreiben soll. Eigentlich würde ich gerne wieder alles löschen, aber irgendwie fühlt sich das falsch an – genauso wie es sich falsch anfühlt dies nun öffentlich zu machen oder noch groß was zu schreiben.

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Deswegen lasse ich das jetzt mal so stehen und verabschiede mich mit einem Lächeln bis zur nächsten Woche.


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10 Kommentare zu „Moods on Monday – Woche 3

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