Moods on Monday – Woche 1

Willkommen, zu „Moods on Monday“!

Letzte Woche habe ich euch ein wenig von dem Buch „Ich schreibe mich gesund“ von Prof. Dr. med. Silke Heims erzählt. Heute möchte ich euch von meiner ersten Woche gesundschreiben erzählen.

Wie aber auch schon in der vergangenen Woche erwähnt, kann dieser Beitrag auch sehr persönlich werden. Wer also auf dieses Gefasel keine Lust hat, der sollte am besten erst gar nicht weiterlesen – und ich bin auch keinem böse, wenn er es nicht tut.


In dieser Woche ging es darum, dass ich meine Beschwerden kennen lerne und was sie mir sagen wollen. Das fand ich ehrlich gesagt gar nicht so einfach, denn was die Autorin als Beschwerde sieht ist für mich fester Bestandteil meines Lebens. Die Beschwerde, unter der ich aktuell leide, ist mein Husten. So, und nun? So verbrachte ich die halbe Woche damit mein eigentliches Problem zu verleumden, während ich in der zweiten Hälfte versuchte mit umzuorientieren. Das war wiederum nicht so einfach, denn die Autorin beharrt auf den Begriff „Beschwerde“ und für mich ist es „das Problem“ – ergo stellte ich mir die zusätzlich die Frage, ob ich es eventuell durch die Definition als solches verschlimmere. Doch ich sehe mein „Problem“ eigentlich nicht als „Beschwerde“, denn wir leben nun schon etliche Jahrzehnte in einvernehmlicher Koexistenz. Okay, nicht immer einvernehmlich, nämlich dann nicht, wenn das „Problem“ zur „Beschwerde“ wird. Wenn es mich packt, in die Tiefe reißt und mich in inniger Umarmung hält. Dann würde ich es sogar als Beschwerde bezeichnen, weil es mein Leben beeinträchtigt. Ihr seht, ich habe mich nebenher noch mit den Banalitäten der Namensgebung beschäftigt. Doch was wäre unsere Sprache und all die Worte, wenn wir ihnen keinen Sinn gäben? Wenn wir sie einfach hinnähmen?

So ist es doch auch mit unseren Beschwerden. Wir müssen sie, und besonders uns selbst, kennenlernen um sie verstehen und akzeptieren können, vorzugsweise natürlich sogar beheben. Diesen Schritt bin ich schon vor vielen Jahren gegangen. Ich für meinen Teil denke, dass der wohl größte Fehler war, dass ich aufgehört habe. Immer dann, wenn ich an diesem Punkt war, wie heute auch, an dem es mir weitestgehend gut geht, habe ich aufgehört mich damit auseinander zu setzten. Ich war nicht gänzlich untätig, sondern legte den Fokus dann oft auf die guten Dinge, die ich habe und wertschätze, liebe und ehre, aber vergesse in dem Moment die Hände, die hinter mir im Schatten lauern, um mich zu packen, wenn ich unachtsam bin und mich mit sich zu reißen wollen. Kurz: Ich erkenne das Problem, wenn es sich zeigt. Flicke die kaputte Stelle, aber repariere sie nicht.

Klingt sehr melodramatisch? Ist es vielleicht auch, aber aus meiner Sicht realistisch. 90% der Menschen, die mich kennen, kannten oder es zumindest glauben dies zu tun, wissen nur die Hälfte von dem was sich schon in Kindheitstagen ereignete. (Hier möchte ich anmerken, dass nicht von Missbrauch oder so die Rede ist. Alles was ich erwähnte dreht sich um die aktuellen Probleme und was damit zusammenhängt.) Die meisten Menschen, wissen nur, was sie gesehen haben (Jungend/ junge Erwachsene) und zumeist wurde dies, – sogar von Menschen, die ich damals als beste Freunde bezeichnete – mit dem Satz „Sie spinnt halt wieder“ abgetan. In Zeiten, in denen ich psychischen Schmerz mit physischem Schmerz kompensierte, schauten die einen weg, ein Teil bekam gar nichts mit und andere rissen blöde Sprüche – doch alle wunderten sich als der „große Zusammenbruch“ kam. Ich will kein Mitleid, ich brauche keine pseudo Ratschläge, wirklich nicht. Ich will nur verdeutlichen, dass es Dinge gibt, mit denen wir auch auf uns selbst gestellt sind, wenn wir keine professionelle Hilfe haben und/ oder die falschen Menschen an der Seite und gerade hier kann es helfen, wie es die Autorin auch für diese erste Woche vorgesehen hat, in den Dialog mit seinen Beschwerden / Problemen zu gehen.

Warum ich nie in Therapie bin? War ich. Damals, vor ziemlich genau 20 Jahren, nachdem meine Mutter verstarb, dachte mein Vater, das könnte sinnvoll sein. Wäre es vielleicht auch gewesen, wenn die Dame nicht immer gedacht hätte, dass an allem der Tod meiner Mutter schuld sei. Meine Oma beispielsweise war ein intrigantes Miststück und ein Biest. Das war vorher so und danach auch. Also ging ich nicht mehr hin und das Thema war für mich erledigt. Die Ignoranz der Menschen hat es nicht besser gemacht, wenngleich es Lichtblicke gab. Genau deswegen habe ich diesen Schritt, den die Autorin in der ersten Woche erwartet bereits vor einigen Jahren in Angriff genommen. Viel zu spät, aber lieber spät als nie. Nämlich vor etwa 6 Jahren als mein Vater starb. Zuvor hielt ich mich immer „am Leben“ indem ich mir einredete gebraucht zu werden, doch dann war da niemand mehr.

Eine Aussage, die buchstäblich mein Leben änderte war dann: „Wie soll ich denn mir dir klarkommen? Dein Leben ist noch chaotischer als meins. Ich weiß nicht ob das passen kann.“ – So oder ähnlich war das und es öffnete mir die Augen. Klar, ich hatte zu dem Zeitpunkt viel zu klären, da es irgendwann knapp ein Jahr nach dem Versterben war und ich mich neu orientieren musste. Viele Fragen für mich klären, aber ein chaotisches Leben? (Bitte abwertende Unterton einfügen.) Das konnte ich so nicht stehen lassen, denn egal wie „kaputt“ ich war, bin ich jeden Tag aufgestanden und zur Arbeit. Ich habe Jahre lang meinen eigenen Haushalt geführt. Und, und, und. Ich stand und stehe mit beide Beinen im Leben, wenn auch manchmal etwas wackelig.
Und das sollte einem stets bewusst sein! Das war es, was mich noch mehr nachdenken ließ und mir zeigte, dass auch ich jemand bin.

Und so lernte ich meine „Probleme“ sukzessive immer besser kennen. Ich lernte mich kennen. Noch heute grüble ich lange, wenn ich neue Menschen traf, ob ich mich wohl wieder danebenbenommen habe, Stuss gequasselt habe, aber ich lasse mich davon nicht mehr fertig machen. Entweder sie kommen damit klar, oder lassen es. Ich zwinge mich niemandem auf, denn was ich vor allem gelernt habe, dass ich auch sehr gut mit mir selbst klarkomme. Sicher wäre das Leben ohne den einen oder anderen Herzmenschen nicht ganz so großartig, aber ich habe gelernt die Dinge zu akzeptieren. Es kommen wieder andere Menschen. Wir ändern uns und so ändert sich der Lauf der Dinge. Jetzt bin ich dezent abgeschweift, aber ihr verzeiht es mir hoffentlich. Ich bin schon jetzt sehr gespannt, wie das Projekt weiter gehen wird und wer weiß, vielleicht finde ich die eine oder andere Lösung für mein Problem, damit es nicht zur Beschwerde wird und ich es vielleicht für immer zu den Akten legen kann. Ein hohes Ziel, das viel Arbeit bedarf, aber dafür eine Menge Lebensqualität schenken kann.

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Bisher muss ich sagen, dass die Autorin die richtigen Impulse setzt – das hätte ja auch ganz schön nach hinten los gehen können.

8 Kommentare zu „Moods on Monday – Woche 1

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