„Der unsichtbare Freund“ von Stephen Chbosky [Hörbuch]

Beschreibung:

Nach einer gescheiterten Beziehung flieht die alleinerziehende Mutter Kate mit ihrem Sohn Christopher nach Mill Grove. Dort scheint sie richtig zu sein. Ein verschlafenes Örtchen, umgeben von Wald. Doch Christopher fängt plötzlich an Stimmen zu hören und Dinge zu sehen, was er seiner Mutter aber nicht verrät, schließlich war dies der Grund für den Tod seines Vaters. Eines Tages verschwindet der Junge für 6 Tage im Wald. Nachdem er zurück kommt erinnert er sich an nichts mehr und wie durch ein Wunder ist er kein Legastheniker mehr. Die Buchstaben ergeben plötzlich Sinn. Doch der Junge hat einen Auftag, denn er muss ein Baumhaus bauen! Während Christopher für die anderen immer komischer erscheint, weiß er jedoch, dass er einen Auftrag hat und erfüllt er diesen nicht, dann wird der Ort und seine Einwohner am Weihnachtsabend seinen letzten Abend erleben. 

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Meinung:

Das waren wohl die längsten knapp 23 Stunden meines Lebens und die „Für Sie“ sollte definitiv mehr Bücher von King lesen, wenn sie dieses Buch mit ihm vergleicht. Zu Anfang hätte ich dem vielleicht noch zugestimmt, da hat das in die Richtung gepasst, aber desto weiter die Geschichte fortgeschritten war, desto weiter war auch die Entfernung zu King; nach meiner Meinung. „Es“ hat geschlagene 52 Stunden Spielzeit, die konnte ich auch nicht auf einen Rutsch hören, aber die 23 Stunden hier kamen mir definitiv länger vor. Hier wäre mein Rat: Weniger ist manchmal mehr. Bei Track 399 von 499 stellte ich mir die Frage: „Ernsthaft? Was kommt denn jetzt noch?“

Sehr schwach fand ich außerdem die „Trigger“. King schafft es hervorragend diverse Dinge beim Hörer zu hinterlassen. So muss ich  heute noch an „Doctor Sleep“ denken, wenn ich das Wort „Zucker“ höre. Ich lehne mich weit aus dem Fenster und behaupte, dass Stephen Chbosky dies hier auch versucht hat, beispielsweise mit dem Wort „Hochwasser“ – für mehr Verständnis sollte man das Buch dann entweder lesen oder hören – und was soll ich sagen. Es hat nicht funktioniert! Ich war genervt; sowas von genervt. – „Oh, wieder Hochwasser.“ – „Klar, Hochwasser, was sonst.“ – Danke, aber nein danke. Der Versuch war gut, die Umsetzung leider nicht.

Doch ich möchte das Buch gar nicht zerreißen, wirklich nicht, denn es war nicht schlecht – nicht so schlecht, wie ihr nach meinen ersten Worten vielleicht denkt. Es war einfach nur verdammt lang. Mit Länge hab ich kein Problem, aber wenn es eine nichtssagende Länge ist, dann wird es einfach komisch – oder langweilig. Ich hatte zwischendurch einfach gar keine Lust mehr zuzuhören, musste aber, denn sonst hätte ich den Anschluss verpasst. (Der Nachteil gegenüber King, bei dem kann man nämlich super abschalten, wenn er gerade die Geschichte eines Baums erzählt.)

Zurück zum Guten! Die Idee dahinter fand ich großartig. Zu Anfang hab ich mich etwas gewundert, warum Gott und der Glaube so oft erwähnt werden. Teilweise fand ich es auch etwas skurril, da es schon seltsame Ausmaße annahm, aber(!) am Ende ergibt alles ein Bild. Die Schlussszene hat mich richtig begeistert, weil sie einfach perfekt reingepasst hat. Zwischendurch waren für mich ein paar Logikfehler, die dann aber nachträglich gelöst wurden. Das hätte man vielleicht etwas anders lösen können – vielleicht wären es dann auch weniger Längen gewesen. Ich würde es weder mit King, noch mit Stranger Things vergleichen, wie ich es schon irgendwo gelesen habe, aber verschoben ist die Story alle mal. Zurück zukommen auf den religiösen Touch: Man sollte sich dessen, meiner Meinung nach, bewusst sein, wenn man das Buch beginnt, da es wirklich oft vorkommt und eine elementare Rolle spielt.

Ich muss gestehen, obwohl die Geschichte sehr lang ist, ist es doch schwer nicht zu viel zu verraten. In gewisser Weise ist es sogar ein schönes Buch über die Freundschaft, denn in dem „Kampf um’s Überleben“ wird schön dargestellt, wie die Kinder zusammen halten, auch wenn es manchmal gar nicht so einfach ist, denn wir alle wissen sicher, wie einfach es ist, ein Kind zu manipulieren. Wie uns Erwachsenen fällt es ihnen schwer zu unterscheiden wer nun wirklich zu den Guten gehört und wer nicht. Irgendwann nahm das ganze dann etwas überhand, aber der Grundsatz gefiel mir sehr.

Die Charaktere, ja, die Charaktere. Was soll ich sagen. Da wären wir wieder bei den Längen und dem nichtssagenden. Genauso ging es mir, leider, bei der Atmosphäre. Zu Anfang hat mich das Buch total abgeholt. Ich war voll dabei; obwohl nichts passiert ist, aber irgendwann war alles ein Mus für mich.  Ich konnte keine Beziehung zu den Protagonisten aufbauen und auch die Szenen im Wald, die man vielleicht als düster und bedrohend empfinden sollte, kamen bei mir nicht richtig an. Ich glaube am meisten konnte ich mich tatsächlich für Marie-Cathrin (hoffentlich richtig geschrieben) begeistern. Wohl die religiöseste von allen, aber auf ihre Art einnehmend; zudem am passenden in der ganzen Sache.

Vielleicht war es auch die Kombination aus alle dem, weshalb ich nicht zu hundert Prozent überzeugt bin. Zu meinem Freund meinte ich gestern nur: „Am besten machen sie einen Film daraus. Da fehlt dann zwar die Hälfte, aber das ist nicht tragisch, dann ist es wenigstens interessant.“ Ergo: Bitte einmal verfilmen! Dann wird da ein Schuh draus.
Über den Sprecher muss ich vermutlich nichts mehr sagen, denn: David-Nathan-Liebe!

Fazit:

Großartige Geschichte, die leider nur mäßig umgesetzt. Hier trifft das Sprichwort: Weniger ist manchmal mehr!


Der Schluss:
Autor: Stephen Chbosky
Verlag: Random House Audio
Preis: 24,00 €
Laufzeit: 22h 49 min
ISBN: 978-3-8371-4963-0
weitere Formate: (erschienen im Heyne Verlag) Hardcover, eBook

3 Kommentare zu „„Der unsichtbare Freund“ von Stephen Chbosky [Hörbuch]

  1. Ich habe die Printfassung hier liegen und die erschlägt mich mit ihrem Umfang von über 900 Seiten ebenfalls. Bis jetzt habe ich mich bis etwa Seite 400 „durchgekämpft“, mal schauen, ob mein Eindruck am Ende derselbe sein wird.

    Bislanf fühle ich mich allerdings durchaus an eine Mischung aus Stephen King und Stranger Things erinnert. :-)

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    1. Den King konnte ich teilweise erkennen, aber leider eben nicht auf den Niveau. Er ist einfach Meister seiner Sache – und Stranger Things…. nun ja,…. das basiert für mich mehr auf Si-Fi. Doch ich schweige. Wühl dich erst mal fertig durch. :D

      Gefällt 1 Person

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