Lesemonat September 2019

Geschwätz

Was soll ich sagen? Der Monat war heftig! :-D

Mein schönstes und zeitgleich schlimmstes Erlebnis hatte ich in den Instagram Stories schon erwähnt und möchte es auch meinen Bloglesern nicht vor enthalten – kann aber auch gerne über scrollt werden. Wie schon hundertfach erwähnt, war ich die vergangenen drei Wochen in Albanien unterwegs. Als wir gerade im Valbona Tal campierten und die nächsten Tage planten, offenbarte mir mein Freund, dass er noch eine Wanderung auf den höchsten Berg (Korab) machen wolle. An sich eine tolle Sache, aber für mich zeitlich nicht machbar. Die Wanderung dauert an sich schon gut 10 Stunden und geht einige Meter hinauf; dafür bin ich dann einfach nicht fit genug um es in einem angemessenen Zeitrahmen zu schaffen. Zuerst war ich etwas zornig, da ihm das gerade zu dem Zeitpunkt einfiel, denn zuvor hatten wir Internet und ich hätte mir den Track runterladen können. Nicht, dass dieser zwingend notwendig ist, aber in Albanien ist es tatsächlich so, dass man zumeist im Niemandsland wandert und keine Wege verzeichnet sind – doch erst mal weiter im Text.

So beschlossen wir, dass wir uns auf der ersten Hochebene treffen. Er läuft quasi die große Tour und ich mache einfach nur den Aufstieg von der anderen Seite. Eventuell würde ich sogar weiter laufen; das wollte ich spontan entscheiden. Seiner Rechnung nach wollte er gegen 14 Uhr auf der letzten Hochebene sein, laut Rechnung der Wanderung wäre es 16 Uhr. Ich legte ihm nahe sich nicht zu stressen, schließlich kennt er die Wege ja nicht. Am Abend vor der Wanderung fotografierte ich mir, die für mich relevanten Daten, aus dem Heftchen ab, damit ich auch wusste wo ich überhaupt hin muss. Soweit so gut!

Am nächsten Morgen gingen wir jeder seiner Wege. Da der Hund kirre würde, wenn wir gemeinsam los gingen und uns dann trennen, liefen wird getrennt los. Das ich erst mal gefühlt eine Stunde nach dem ersten Aufstieg herum irrte, bis ich meinen „gut ausgetretenen Viehweg“ fand, der in etwa einem deutschen Trampelpfad ähnelte, erspare ich euch mal. Glücklich über die gefundene Markierung und den richtigen Weg machte ich mich an den Aufstieg. Nach etwa 4 Stunden und ca. 550 Höhenmetern später befand ich mich auf der Ebene, füllte meine Wasserflasche an einer hübschen Quelle – die gibt es in Albanien an fast jeder Ecke – und überlegte ob ich meinem Mister eine SMS schreiben solle, da mein Handy ausnahmsweise Netz anzeigte. Da dieser meist aber nicht reagierte und ich auch nicht wusste ob er überhaupt Empfang hatte, sparte ich es mir und zog mit dem Vierbeiner los um die Ebene zu erkunden.

Anhand den Höhenlinien auf meiner Karte und dem Foto der Wanderroute versuchte ich den möglichen Punkt des Abstiegs meines Liebsten ausfindig zu machen. Da der Hund sich irgendwann, in etwa auf richtiger Höhe, ins Gras pflanzte, suchte ich mir einen hübschen Stein – da ich nicht gerade in diversen Tierfäkalien sitzen wollte – und machte es mir in diesem wundervollen Idyll mit meinem Buch „Melmoth“ bequem. Die Zeit zog ins Land und ich genoss die Stille, Natur und Lektüre. Doch irgendwann verrann immer mehr Zeit. Die Uhr zeigte 15 Uhr an, der Sonnenuntergang rückte näher. Eine halbe Stunde später beschloss ich, dass es vielleicht sinnvoll wäre, schon mal zum Weg zurück zukehren der ins Tal führte. Gemächlich schlenderte ich Richtung „Ausgang“. Zwischendurch wollte uns eine Herde Schafe begleiten, aber diese wurden von ihrem Hütehund wieder zurecht gewiesen. Stattdessen folgte uns dieser eine Weile. Eine Herde weiter, welche aber nicht in Sicht war, kam eine Hündin auf die Idee, dass wir böses wollen und fiel Kathy beinah an. Als ich gerade mit der Leine nach ihr schlagen wollte, warf der Hirte auch schon zielsicher Steine nach ihr. Zu der bereits vorhandenen Panik, dass meinem Freund etwas zugestoßen sein könnte, gesellte sich noch die Vorstellung, dass ich einen verletzten Hund den Berg hinunter schleppen müsste und einen Tierarzt suchen – der vermutlich nicht gerade in unmittelbarer Nähe zu finden war. Doch es ging gut. Wir kamen mit einem Schock davon.

Am Eingang der Ebene war es dann bereits 17 Uhr und ich ein leicht nervliches Frack. Die schlimmsten Horrorszenarien spielten sich in meinem Kopf ab. Wie soll ich denn bitte den albanischen Mitmenschen, die in dieser Region kaum englisch sprechen – von meinen überragenden Kenntnissen mal abgesehen – erklären was passiert ist bzw. sein könnte? So tigerte ich noch eine halbe Stunde herum, hauchte ein „Puh!“ (Spitzname) über die Ebene und hoffte. Als er gegen 17:30 Uhr immer noch nicht in Sicht war, der Abstieg laut Plan gut 1,5 Stunden in Anspruch nehmen soll – man addiere noch mal 0,5-1 Stunde für mich oben drauf und die Sonne sollte eigentlich gegen 18:30 Uhr unter gehen, gab ich auf. Lange Rede, gar kein Sinn: Ich schrieb einen Zettel, klemmte ihn mit der einem Stein auf dem Stein mit der Wegmarkierung fest und nahm die Beine in die Hand.

Leicht wie ein Amboss und grazil wie ein Elefant flog ich den Hügel hinab. Eine Mischung aus Schweiß und Tränen vernebelte meine Sicht. Immer wieder drehte ich mich herum, hoffte, vergebens. Pünktlich zum Gebetsschreier, äh, -rufer, also etwa 18:45 Uhr, erreichte ich den Abzweig zum Dorf. Dank meiner zuverlässigen Begleiterin fand ich den entsprechenden Weg auch recht schnell. Hier merkte sie, dass mir die Dämmerung zu schaffen machte und schaute auch immer wieder nach mir.

Plötzlich ging alles ganz schnell. Mitten im Rausch unseres Laufes erstarrte das Tier und ich hatte schon Bedenken, dass sie mir jetzt auch noch auf die Jagd ginge. Sie schoss nach vorn, ich kreischte – dem Wahnsinn wieder ein Stück näher – und da kam er um die Ecke gehüpf-rannt. Die Arme ausgebreitet, aufatmend, ängstlich und fiel mich an. Nachdem wir die Tränen der Erleichterung noch in den Augen hatten, stellten wir fest, wie dumm wir waren keinen richtigen Treffpunkt ausgemacht zu haben und ansonsten war einfach keine Luft sich gegenseitige Vorhaltungen zu machen – wir waren einfach froh, dass es buchstäblich alles ein blödes Missverständnis war. Kurz nach ihm kam dann noch ein Polizist mit über die Schulter geworfener MG um die Ecke sowie ein weiterer mit einer Einkaufstüte. Diesen erklärte ich dann noch kurz, dass ich wohl auf bin, wir bekamen Snickers und schlichen den Rest des Weges ins Dorf. Nachdem die MG auf der Rückbank des alten Benz verstaut war, bedankten wir uns noch brav bei den netten Beamten (ich möchte anmerken: Der eine war sichtlich überfordert, dass ich – Frau! – ihm die Hand reichen wollte.) und luden sie auf einen Kaffee ein, der scheinbar vom Wirt übernommen wurde, denn auf unserer „Rechnung“ stand er nicht. Wir tranken Bier und ich noch einen Schnaps.

Was für ein Erlebnis!
Am selben Abend, nach einer warmen Dusche, beendete ich dann noch „Melmoth“, war glücklich darüber, dass alles so glimpflich ausging und ich es noch auf ein zweites Buch für den Monat geschafft hatte.

Den restlichen September erspare ich euch einfach, denn der ging hauptsächlich für Vorbereitungen des Urlaubs und dessen Umplanung drauf. Vom Gerichtstermin erzähle ich euch dann im kommenden Monat.

Neuzugänge

Davon abgesehen, dass ich kaum bis gar nicht zum Lesen kam, gewann ich 3 Bücher (Freude!), bekam eines geschenkt und so summierte sich das ganze auf 7 Neuzugänge.

Gelesen

  1. „King von Scars“ von Leigh Bardugo: Wieder ein sehr grandioses Erlebnis, mit etlichen politischen Hintergründen der Welt. Meiner Meinung nach sollte man zumindest die Krähen-Bücher zuvor gelesen haben. (Rezension folgt!)
  2. Melmoth“ von Sarah Perry: Ein absolutes Erlebnis. Düster, beklemmend, emotional – Es hat mich richtig gepackt! Bis heute denke ich immer wieder an dieses Buch, besonders wenn ich einsame Stühle sehe.

Gehörte SUB-Bücher: 

  1. „Der Tanz unseres Lebens“ von Noa C. Walker: Gelesen wäre es mir ganz klar zu kitschig gewesen, aber gehört war es unterhaltsam und ich hätte auch beinahe das eine oder andere Tränchen verdrückt. Ein sehr schöner Roman über die Liebe und die Menschlichkeit!
  2. „Scythe – Die Hüter des Todes“ von Neal Shusterman: Was eine Geschichte! Ich verstehe absolut, dass alle von diesem Buch schwärmen, denn es ist einfach genial und das ist noch untertrieben. Der Aufbau der gesellschaftlichen Hintergründe, die Scythe selbst, alles – einfach mega mäßig!
  3. „Die Therapie“ von Sebastian Fitzek: Joa. Was soll ich sagen?! Die Vertonung selbst hatte mir schon fast etwas zu viel Hall. Der Sprecher an sich war super. Die Geschichte würde ich als nett bezeichnen, aber das sie mich jetzt vom Hocker gehauen hat, würde ich nicht behaupten. Kann man mal hören.
  4. „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes: Bisher nur begonnen und froh, dass ich es nicht lese. Ich glaube das wäre für mein „Lese-Buch“, wenngleich mir die Geschichte bisher ganz gut gefällt.

Der Monat in Zahlen
2 Bücher gelesen
848 Seiten
7 Neuzugänge
4 gehörte SUB-Bücher
369 auf dem SUB

Bis dahin, cheerio und schöne Lesestunden!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s