Über den (Mehr)Wert eines Buches.

Desto tiefer ich in die Gefilde der Bücher abtauche, um so öfter begegne ich Menschen und Ansichten, die ich wohl verstehe, aber nicht nachvollziehen kann. Ein ganz bekanntest Thema ist hier der Wert von gedruckten Büchern und elektronischen Büchern. Eben weil ich erst neulich die Aussage entgegen geworfen bekam: „Da bekommt man als Blogger halt nur ein eBook“, möchte ich dieses Thema mal eben vertiefen.

Natürlich ist es schön ein gedrucktes Buch in der Hand zu halten. Die Haptik, der Duft, das Rascheln der Seiten. Natürlich kostet ein gedrucktes Buch entsprechend, denn es steckt ja ein gewisser Wert dahinter, den man auch anfassen kann. Doch wie verhält sich das mit dem elektronischen Buch? Da hat man so eine läppische Datei,  kann man nicht wirklich anfassen. Ist es deswegen weniger wert? Meine Meinung: Ja und nein!

Gerade uns Bloggern, oder Rezensenten an sich, dürfte der Begriff „geistiges Eigentum“ wohl durchaus bekannt sein. Schließlich verfassen wir nach bestem Wissen und Gewissen unsere Meinung zu einem Buch, oder anderen Dingen, in Worte. Manchmal ist das auch gar nicht so einfach, denn diese soll ja auch für jeden fremden Dritten nachvollziehbar sein, sachlich und nicht ein Quark unserer oftmals zusammenhanglosen Gedanken. Kann manch einer so vielleicht nicht nachvollziehen, der andere dafür umso besser. So, und hier sollten wir uns die Frage stellen: Warum sollte es den Autoren anders gehen? Zudem wollen diese mit ihrem Werk ja auch Geld verdienen.

Hier möchte ich jetzt vorweg nehmen, bevor ich einen Shitstorm ins Leben rufe: Ich spreche von eBooks im preislich angemessenen Rahmen. Selbst ich schrecke davor zurück 20,00 € dafür zu opfern. Alles hat Grenzen. Nehmen wir mal den von mir selbst angenommen Schnitt, von sagen wir ca. 6,00-10,00 € für das eBook.
Als Sparfuchs kaufe ich diese meist auch gerade, wenn sie im Angebot sind, weshalb mein SUB auch so exorbitant ist – und ich habe im Januar schon ausgemistet. Dennoch finde ich den benannten Preis für ein eBook für die vom Autor investierte Arbeit sowie auch der Verlage absolut gerechtfertigt.  Möglicherweise liegt es auch an meinem eigenen Beruf. Der Mensch verliert nämlich gern mal das wesentliche aus den Augen: Kann er etwas nicht anfassen, dann ist es nichts wert. Das man aber für sein Wissen auch arbeiten, lernen und bluten musste, wird oft außer Acht gelassen.

Ach, wie schön ich doch abschweifen kann. Doch aus meiner Sicht ist es auch wichtig darüber zu sprechen. In einem Buch steckt nämlich verdammt viel Arbeit. Für den einen Autor mehr, für den anderen weniger. Ich für meine Teil könnte mir nicht vorstellen ein Buch zu schreiben, -auch wenn ich schon darum gebeten wurde,- denn ehrlich gesagt, wäre das einfach wider meiner Natur. Natürlich schreibe ich gern, manchmal auch viel, aber ein Buch? Danke, aber nein, danke! So viele Dinge, die beachtet werden müssen. Die schmale Gratwanderung zwischen dem unnötigen in die Länge ziehen oder der temporeichen Ablauf, in dem vielleicht wichtige Informationen flöten gehen. Aufmerksam zu bleiben, so dass nicht Unmengen von Wiederholungen auftauchen oder gar der Übergang von den Charakteren deutlich wird. Über hunderte von Seiten hinweg. Nö, nö.

Da ich mich mit der Buchpreis Bindung immer noch nicht auskenne, auch wenn ich immer mal wieder an dem Thema geschnuppert habe, möchte ich auf die Preise gar nicht groß eingehen. Wie bereits gesagt, zahle ich auch keine 20,00 € für ein eBook, nur weil das Hardcover aktuell auf dem Markt ist und man den Preis quasi verlangen kann. In dem Fall muss ich das wirklich so nenne, denn hier wären die Verlage – laut meinem Wissen – flexibel. Doch mir geht es in erster Linie mal um den Punkt, den wir Leser und Rezensenten an unserem Leben ja so toll finden, dass wir diverse Bücher aufgrund von Kooperationen mit Verlagen und Autoren für lau erhalten. Dann nehmen wir mal noch einige wichtige Komponenten hinzu: Nicht jeder Schriftsteller fällt als Besteller Autor vom Himmel. Die Selbstverleger und Kleinverlage wachsen aus dem Boden wir Unkraut (bitte nicht als Beleidigung verstehen, aber das es nun mal so ist wurde mir spätestens auf der LBM so richtig bewusst). Marketing und co. sind teuer, da brauchen wir uns nichts vor machen. Und genau hier wären wir jetzt an dem Punkt, an dem ich etwas grolle.

Ich mein, natürlich finde ich es nicht schön, wenn – wie schon gehört – Blogger Aussagen an den Kopf geknallt bekommen: „Sei dankbar, du bekommst immerhin der eBook. Präsentiere das mal toll.“ Der Umgang sollte schon angemessen sein, egal von welcher Seite. Doch genauso unschön finde ich, wenn wir doch die Chance haben ein Buch, das uns interessiert kostenlos zu lesen, und es dann abgetan wird im Sinne von „es ist doch nur ein eBook“. Es ist ein Buch! Der Inhalt ist der Selbe!

Und ganz ehrlich?! Ich wollte sie nicht missen. Wenn ich mal wieder in einer Schlange stehe, meine Verabredung sich verspätet oder der Computer auf der Arbeit mal wieder andere Dinge lieber macht als mir zur Verfügung zu stehen, dann kann ich mein Handy zücken und einfach weiterlesen. Die Liste kann selbstverständlich endlos weiter geführt werden.

In diesem Sinne: Cheerio und schöne Lesestunden!

 

10 Kommentare zu „Über den (Mehr)Wert eines Buches.

  1. Meiner bescheidenen Meinung nach gilt: Da der Text von, meinetwegen, Hardcover und eBook derselbe ist, ist auch die Wertigkeit dieselbe. Daher finde ich es auch gut, dass eBooks sich an die Buchpreisbindung halten müssen.

    Aus meiner Sicht haben eBooks ganz andere Probleme: Die Tatsache, dass ich lediglich ein Nutzungsrecht erwerbe. Daraus resultiert dann das Verbot des Weiterverkaufs sowie die Tatsache, dass der Verkäufer jederzeit Zugriff auf meinen Reader nehmen könnte, um gegebenenfalls Bücher, beispielsweise im Falle einer Rechtsverletzung wie damals bei „1984“, einfach zu löschen. Dazu kommen noch die Datenschutzgeschichten, durch die Speicherung meiner Buchkäufe, meines Leseverhaltens sowie der aktuell gelesenen Seite in der „Cloud“ und solche Späße.

    Kurz: Die Wertigkeit ist, wie gesagt, in beiden Fällen dieselbe, wenn es nur um den Text als solchen geht. Unterschiede mag es aber in der „gefühlten Wertigkeit“ der unterschiedlichen Medien „gedrucktes Buch“ und „eBook“ geben. Und da liegt bei mir Ersteres meilenweit vorne. ;-)

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    1. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, auch den angesprochenen Problemen nicht. Hier finde ich gut, dass zumindest Amazon aktuell eine „Familienbibliothek“ anbietet, so dass man die eBooks wenigstens in der Familie „verleihen“ kann, wo wir dann aber wieder an dem Problem mit dem Datenschutz hängen.
      Alternativ könnte man die Bücher per Computer verwalten und den Reader offline lassen, aber wo wäre dann die Bequemlichkeit?! :-D

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      1. Das mit der „Familienbibliothek“ entspringt sicherlich auch nicht reinem Altruismus seitens Amazon, sondern wohl eher dem Gedanken: „Wie können wir effektiv noch mehr Datenzusammenhänge abgreifen, ohne gegen diverse Ver- und Gebote des Buchhandels zu verstoßen?“ ;-)

        Tja, die Bequemlichkeit. Ich sage gelegentlich: „Aber es war doch alles so schön bequem!“ wird nochmal der letzte Satz der Menschheit sein. :-) Ich persönlich würde es begrüßen, wenn mit der Bezahlung des eBooks die Transaktion sowie die Interaktion zwischen Amazon und Kunde beendet wäre, man also keinerlei Daten darüber erhebt, was besagter Kunde denn nun mit seinem eBook tut. Wenn ich ein gedrucktes Buch bei Amazon bestelle, was ich tunlichst vermeide, rufen die mich ja auch nicht an und fragen: „Haben Sie es schon gelesen? Auf welcher Seite sind Sie gerade?“ :-)

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      2. *lach* Das hast du schön gesagt. Deswegen bin ich inzwischen auch mehr oder weniger komplett weg von dem Laden. Wobei es doch einfach unglaublich toll ist wie sie an ihre Kunden denken. Man bekommt regelmäßig Neuigkeiten über Dinge, die eine interessieren könnten. Reagiert man nicht auf die entsprechenden Mails, dann bekommt man eine Push-Meldung via Handy, wenn man ständig vergisst diese abzuschalten. Das ist total Kundenfreundlich! Zudem könnte man sich sogar das Toilettenpapier im Abo bestellen, aber okay. Das ist jetzt wieder ein anderes Thema.

        Meinen Kindle hebe ich inzwischen auch nur noch aus dem einfachen Grund auf, dass es ja mal wirklich die Möglichkeit gibt, das mein Tolino mal den Geist aufgibt oder ich tatsächlich mal wieder auf dieses unflexible Format zurück greifen muss.

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  2. Ich nutze jellybooks und das gibt es „nur“ ebooks und mich stört das kein bisschen. So kann ich Bücher lesen, die unter Umständen erst in einem Jahr auf dem Buchmarkt erhältlich sind. 20€ würde ich für ein ebook aber auch nicht ausgeben.

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    1. Im Gegensatz zu Amazon, die die Daten wenigstens nur zu eigenen Zwecken abgreifen, tut „Jellybooks“ das meines Wissens, um diese Datensätze an die Verlage weiterzuleiten, damit man dort erfährt, wie viele Leser das Buch durchgelesen haben, wie viele es abgebrochen haben und wenn, dann an welcher Stelle usw. usf. – mittelfristig, so meine vollkommen subjektive Einschätzung meines literarischen Weltuntergangsszenarios, dürfte das dazu führen, dass Verlage auf Basis der erhobenen Daten immer mehr Bücher herausbringen, die immer weniger Kanten haben und immer mehr nach Schema F geschrieben sind, was letztlich zulasten der Vielfalt auf dem Buchmarkt geht.

      Ich mag mich aber irren … ;-)

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      1. Das mag sein, ich möchte das auch gar nicht verteufeln – soll jeder machen, wie sie oder er möchte. Aber man kann ja auch mal die möglicherweise negativen Seiten aufzeigen. :-)

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      2. Da hast du vollkommen recht, dass auch negative Aspekte betrachtet werden können. Auf die Idee, dass möglicherweise nur noch seichtere Bücher kommen könnten, wäre ich nicht gekommen. Das ist ein Aspekt der interessant ist. Das jemand mein leseverhalten analysiert, stört mich nicht.

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