…über dicke Dinger und gebrochene Rückrate.

Liebe Leser, Leserinnen, Buchliebhaber, Buchliebhaberinnen und andere,

da es ja ein scheinbarer Trend ist und ich gerade nachgedacht habe, gibt es heute mal sowas wie „Sonntagsgedanken“.

Ich bin erschüttert!

Für mich war ein Buch, immer ein Buch. Mir war immer egal wie dick es ist, wie die Beschaffenheit ist und sonst irgendwas. Kaufte ich mir gebrauchte Bücher, so war mir auch der Zustand ziemlich egal. Hauptsache die Bindung hält, denn wer will schon eine Loseblattsammlung?! (Davon hab ich im Geschäft auf dem Schreibtisch schon genug. Und sollten wir beruflich miteinander zu tun haben, dann hab ich das jetzt auch nie geschrieben.)

Hat sich daran etwas geändert? Nicht wirklich.
Doch ich bin immer wieder verblüfft, wie so manche Mitmenschen denken.

So las ich in den letzten Monaten eine positive Rezension und mir sprang sofort der Satz ins Auge, dass das Buch eine Herausforderung für die Leserin war. Da der sonstige Inhalt sehr positiv war, konnte ich es natürlich nicht lassen und musste fragen: Warum war es denn eine Herausforderung?! Die Antwort war dann die, dass es sich ja um ein Buch mit über 600 Seiten handelte und die Person normal nicht so dicke Bücher liest. Da musste ich natürlich direkt schmunzeln, denn komischerweise kam mir das über Dritte schon öfter zu Ohren, dass es sich hierbei um eine Art „Neuzeitproblem“ handelt. Doch möchte ich mal eine kleine Gegenfrage an diese Angsthäschen stellen: Was unterscheidet ein Buch, das etwa 600 Seiten umfasst denn von einer Buchserie, wie beispielsweise „Die Chroniken der Seelenwächter“? Rechnet man nämlich mal die 12 Folgen, welche die erste Staffel umfasst mit einem Schnitt von 150 Seiten pro eBook, dann landet man bei sage und schreibe 1.800 Seiten. Der einzige Unterschied ist, dass man nach jedem Buch erst mal jammert, weil der Folgeband womöglich noch nicht erschienen ist. Die Logik dahinter? Habe ich bisher noch nicht gefunden. Sollte es mir jemand plausibel erklären können, dann darf er das gerne tun. Ich bin der Meinung man sollte ein Buch lesen, weil einen die Geschichte interessiert und nicht weil die Seitenanzahl gering ist. Meine Güte, dann hat man in einem Monat eben nur 2 Bücher gelesen. Und weiter? Deswegen müssen andere Autoren nicht mehr oder weniger hungern. (Behaupte ich einfach mal.)

Das zweite Phänomen, das mir immer wieder begegnet sind die Seiten. Im Dezember las ich beispielsweise Aussagen, dass das Buch ja viel hochwertiger wirkt durch die dicken Seiten. Mhm. Im Gegenzug las ich neulich in einer Leserunde als die ersten Bücher eintrudelten, dass die Seiten ja viel zu dünn seien und da hätten die Leser ja Angst. Es könnte ja kaputt gehen. Jetzt gehen wir doch alle mal ganz tief in uns und erinnern uns daran wie böse Papier sein kann. Dieser Moment, wenn man dieses kurze Ziepen spürt und plötzlich meint im eigenen Blut zu ersaufen. Das einzige Buch, das mir je eine Seite opfern musste war „Die Vergessenen“ von Ellen Sandberg. Irgendwo gegen Ende war ich dem Wahn verfallen und so in der Story, dass es dann vor lauter Anspannung mal kurz ratschte. Ups!

Da gehe ich auch direkt mal zum nächsten Thema über: die Leserille. Dieser Bösewicht! Wie kann man einem Buch nur das Rückrat brechen? Ist eigentlich ganz einfach, wenn die Bindung zu steif ist oder der Schriftsatz so nach innen geht, dass man Risiko trägt körperliche Schäden beim Lesen zu bekommen, dann hilft man eben nach. Jeder macht das wie er für richtig hält. Ich finde nur dieses Getue von wegen, dass ein Buch keine Leserillen haben DARF absolut überzogen. Lieber breche ich dem Buch den Rücken als mir die Hände. Fertig, aus. Mir wäre es persönlich auch lieber, wenn ich es nicht tun müsste. So ist das ja nicht. Hier ist es aber nun mal so, dass die Verlage dem entgegen wirken könnten, denn sogar im meinem Regal mit den vermutlich ungepflegtesten Bücher (nach neuem Standard), befinden sich Bücher, deren Rücken in tadellosem Zustand sind. Eines davon war sogar mit im Urlaub, auf der Liege beim Schwimmen und wurde regelmäßig in dieser Zeit geknautscht.  Meine Mutter war auch ein sehr ordentlicher Mensch, aber ich meine mich nicht zu erinnern, dass sie sich über Leserillen Gedanken gemacht hat. Geschweige denn, dass es in irgendeiner Unterhaltung zur Debatte stand.

Was erschüttert euch alte Lesehasen denn immer mal wieder? Erzählt doch mal von euren Erfarhungen.

 

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3 Kommentare zu „…über dicke Dinger und gebrochene Rückrate.

  1. Ach Yvonne… du zauberst mir immer wieder ein Lachen ins Gesicht!
    Deinem Beitrag ist absolut nichts mehr hinzuzufügen..
    Achso eins noch.. wenn ein Tollpatsch wie ich beim Essen liest, spritzt es schon mal.. auch auf die Seiten. Bis jetzt ist die Welt davon aber zum Glück noch nicht unter gegangen. :D

    Gefällt 1 Person

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