„Mit Herz und Bogen“ von Melanie Dickerson

Beschreibung:

Viele Kinder wurden aufgrund der Pest zu Waisen. So auch die junge Frau Fronika. Da sie selbst erleben durfte, wie es ist so hilflos zu leben. Sie hatte Glück, denn ihr Onkel nahm sie bei sich auf, dennoch hat sie sich zum Vorsatz gemacht den Armen zu helfen, weshalb sie in der Nacht wildert – obwohl sie genau weiß, dass es gegen das Gesetzt ist. Auf dem Sommertanz lernt sie den jungen Matthis kennen, der ihr Herz um Sturm erobert. Jedoch stellt sich schnell heraus, dass er der neue Förster des Markgrafen ist. Davon abgesehen, dass er derjenige ist, der sie fassen soll, ist ihr Onkel der Meinung, dass sie einen besseren Mann verdient hat. Beispielsweise den Sohn des Bürgermeisters. So wird Fronika vor die Frage gestellt: Hört sie auf ihr Herz, gibt die Jagd auf – somit auch die Kinder – und heiratet den Förster? Oder nimmt sie den wohlhabenden Bürgermeister-Sohn, der für die Waisenkinder sorgen könnte?

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Meinung:

Ach ja, manchmal lese dann sogar ich romantischen Kram und manchmal darf auch etwas historisch sein. Über Letzteres könnte man sich nun streiten. Wohl spielt die Geschichte im Jahr 1363, aber dennoch sind Worte zu finden wie „flirten“. Da musste ich dann doch schon mal schmunzeln. Persönlich finde ich es nicht tragisch, denn für mich als unwissenden Leser, der sich kaum in dem Genre tummelt, war es angenehm zu lesen. Wäre der Schreibstil und die „moderne Art“ nicht in der Leserunde angesprochen worden, hätte ich es vielleicht nicht mal bemerkt. Ich empfand beispielsweise die Beschreibung des Tanz sowie das Verhalten der Charaktere als sehr authentisch und nachvollziehbar.

Die Geschichte an sich gefiel mir recht gut, auch wenn sie sehr durchschaubar war. Eine ambitionierte junge Frau, die für ihre Ansichten einsteht und Probleme in Angriff nimmt. Sich den Gefahren der Gesetzte stellt und trotz allem an ihrem Glauben fest hält. In meinen Augen hätte sie es nämlich genauso gut auch als Schmach Gottes sehen können: Wie kann man Kindern so etwas antun?! Doch das tut sie nicht und genau das bewundere ich an ihr. Sie stellt oftmals das Glück anderer über das eigene. Ob das prinzipiell gut ist, sei mal dahin gestellt, aber es ist gerade deswegen eine Geschichte, die ans Herz geht.

Diverse Aspekte sind sehr fragwürdig, aber mit etwas Fantasie kann man sie sich, denke ich, erklären. Vielleicht hätte die Autorin einfach ein paar Seiten mehr schreiben sollen um diverse Fragen auszumerzen, denn schließlich soll es ja ein historischer Roman sein und kein Fantasy. Der Leser möchte Fakten. Von Anfang bis Ende. Da es nun mal so war wie es war, hab ich mir meine offenen Fragen einfach für mich selbst beantwortet. Ob das nun richtig oder falsch ist, bleibt ungeklärt.

Ich fand die unterschwellige Botschaft dahinter interessant. Denn letzten Endes, hätte Fronika viele Dinge schon vorher – und einfacher – erreichen können, indem sie mit verschiedenen Menschen geredet hätte. Sich anders engagiert hätte. Das tat sie jedoch nicht. Die Ehrlichkeit des Försters, der damit für sich selbst einen großen Schritt wagte, hat vieles in rechte Bahnen gelenkt. Seine Loyalität hat sich durchweg ausgezahlt. So sollten wir doch alle einfach etwas ehrlicher mit einander umgehen. Mehr zueinander stehen. Das ist vielleicht auch nicht immer schön, denn wir wollen sicher nicht immer hören was der andere zu sagen hat, aber man kann Probleme viel einfacher anpacken.

Bei den Protagonisten handelt es sich um eine bunte Mischung. Die einen sympathisch, die anderen weniger. Durch die kürze des Buchs, sind sie etwas weicher gezeichnet, aber dennoch kann man sich in verschiedene Charaktere auch gut hinein versetzten.

Fazit:

Für mich ein schöner Ausflug in ein so ganz anderes Genre als sonst. Die Geschichte nahm mich komplett mit und gefiel mir in ihrer Einfachheit.


Der Schluss:
Autor: Melanie Dickerson
Verlag: Brunnen Verlag Gießen
Preis: 17,00 €
Seiten: 320
ISBN: 978-3-7655-0997-1
weitere Formate: eBook

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3 Kommentare zu „„Mit Herz und Bogen“ von Melanie Dickerson

  1. Abgesehen davon, dass das nicht mein Genre ist, aber: Wenn ich den Stil im Kontext mit dem Handlungsrahmen als Anachronismus empfinde, ist das für mich fast schon ein Ausschlusskriterium. Wörter wie „flirten“ haben da, meiner Meinung nach, nichts zu suchen.

    Schlimmer wird es nur, wenn es inhaltliche Fehler mit ähnlichem Muster gibt. Beispielsweise in Kai Meyers „Herrin der Lüge“, als in einer Szene jemand in einer Kneipe Pfeife raucht. Nur leider spielt die Handlung etwa 300 Jahre vor Einführung des Tabaks in Europa. :-)

    Oder, mein Lieblingsbeispiel, in „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ von Luca di Fulvio. Dort wird dem Protagonisten die richtige Benutzung einer Hacke zum Boden umgraben beigebracht und sein Lehrmeister erzählt etwas von „Trägheit der Masse“. Das Gesetz der Trägheit der Masse wurde aber – unter anderem – erst durch Galileo bzw. Newton entwickelt – über 200 Jahre nach der Handlung des Buches. :-)

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    1. …hehehe…. *verlegen am Kopf kratz* Da hab ich den „Vorteil“ das ich von vielen Dingen keine Ahnung habe und um es dann zu googlen bin ich buchstäblich zu faul, aber ich verstehe was du meinst. Würde mir solche Dinge auffallen und ich würde sie erkennen, ginge es mir sicher ähnlich. Wie sieht es aus bei dir mit Abwandlungen wie beispielsweise in „NSA“?

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      1. „NSA“ hat ja erkennbar einen alternativen Geschichtsverlauf. Und alternative Geschichte finde ich eigentlich immer gut! :-) Robert Harris kann das beispielsweise ganz hervorragend. Wenn also erkennbar ist, dass eine Geschichte in oder mit einem alternativen Geschichtsverlauf, einer alternativen Realität oder, meinetwegen, Paralleluniversum spielt, dann habe ich damit gar kein Problem, wenn dort etwas auftaucht, was da auf den ersten Blick nichts verloren hat.

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