Kurze Kurzgeschichte für Ellas Adventskalender

Hallo und herzlich willkommen zu der kurzen Kurzgeschichte für Ellas Adventskalender. Ich will auch gar nicht lange plappern, wünsche viel Freude und danke der lieben Ella herzlich dafür, dass ich dabei sein darf! 


Die Sonne dämmerte am Horizont als sie ihren Rucksack schulterte, in dem sich ein wenig Proviant und andere Kleinigkeiten für den Weg befanden, die Fellnase herbeirief und einen letzten Blick durch die Räume streifen ließ, bevor sie von dannen zog. Sie wollte ins nächstgelegene Dorf um ein paar Kleinigkeiten für die Feiertage zu besorgen. Da es einige Kilometer entfernt lag, machte sie sich früh auf den Weg. Dem Hund gefielen solche Ausflüge sowieso, doch heute wusste sogar sie, dass es kein gewöhnlicher war. Es war schon fast eine Tradition.

Über Nacht hatte es geschneit. Schon nach den ersten Schritten sank sie immer wieder ein, doch sie war es gewohnt. Es war normal. Alle Jahre wieder. Zur Sicherheit hatte sie die Schneeschuhe eingepackt, bevor sie sich unnötig quälen musste. Das war die Lehre aus vergangenen Jahren. Glücklicherweise blieb sie von Wind verschont. Als sie eine Anhöhe erreichte, blieb sie stehen um die aufgehende Sonne zu beobachten. Schwer seufzend hing sie ihren Gedanken nach. Sie erinnerte sich, wie sie mit ihm im Esszimmer saß und sich über vergangene Weihnachtsfeste unterhielt. Er wuchs in einer kleinen Großfamilie auf, die mit ihm drei Generationen beinhaltete. Jedes Jahr zu Weihnachten kamen sie zusammen. Doch irgendwann forderte die Zeit ihren Tribut und die Generationen schrumpften auf zwei. Er sagte damals, dass früher alles besser gewesen sei, was sie doch sehr traurig stimmte.

In Gedanken versunken ging sie ihren Weg weiter. Während die Sonne ihren Höhepunkt erreichte, sah sie das Dorf im Tal. So gönnte sie sich und dem Tier eine kleine Pause. Während sie ihr Vesper zu sich nahm und natürlich auch für das leibliche Wohl des Vierbeiners sorgte, dachte sie an ihre frühere Weihnacht. Das Zusammensein mit ihren Eltern und die Liebe, die sie dadurch erfuhr. Es fehlte ihr. Doch war deswegen früher alles besser gewesen, fragte sie sich?

Später im Dorf empfing man sie herzlich. Obwohl sie nur einmal im Jahr hier war, erinnerte man sich an sie. Der Obst- und Gemüsehändler hatte ihr extra einen Rotkohl auf die Seite gelegt, falls sie einen brauchte – und das war eigentlich immer der Fall. Der Metzger hatte ihr das Fleisch schon verschweißt, obwohl er gar nicht wusste was sie kaufen würde und der Bäcker hatte ihr liebstes Brot gebacken, das sie vor Jahren das erste Mal gelobt hatte und sich deswegen sogar das Rezept hatte geben lassen. Auch sie hatte kleine Aufmerksamkeiten mitgebracht, worüber sich jedermann freute. Nachdem die Dorfkinder dann noch die Fellnase eine Runde über den Dorfplatz gejagt hatten, machten sich die beiden auf den Heimweg.

Der aufgekommene eisige Wind umspielte ihr Gesicht. Ihre Nase war bereits zu einem Eiszapfen gefroren. Doch sie genoss jeden Augenblick. Wie sich die untergehende Sonne auf dem Schnee brach. Der Hund hechelnd im Schnee tollte, nach bereits vergessenen Stöckchen suchte und dabei buchstäblich den Boden unter den Füßen verlor. Dieser Anblick zauberte ihr immer wieder auf’s Neue ein Lächeln ins Gesicht. Alles um sie herum war in den Winterschlaf verfallen. Stille hatte sich über das Land gelegt.

Sie blickte in den Himmel und stellte fest, dass der nächste Schnee im Anmarsch war. Wie die letzten Jahre zuvor verbrachte sie die Feiertage sowie den Jahreswechsel fernab von Menschen und all der Hektik. Der Wald, die Berge, die Weite, das war ihre Welt. An einer lichten Stelle hielt sie inne und ließ ihren Blick über die Landschaft schweifen. In der Ferne sah sie einige Rehe durch den Wald streifen, auf der Suche nach etwas Essbarem. Daraufhin zog sie sich einen Apfel aus dem Rucksack, biss hinein und gab der Allradkatze ein Stück davon ab, die sich tierisch darüber freute. Nachdem das Gepäck auf dem Rücken wieder ordentlich saß, zogen die beiden weiter, denn sie mussten sich sputen, wenn sie vor Einbruch der Dunkelheit in ihrer Hütte ankommen wollten.

Doch immer wieder blickte sie sehnsüchtig in die Ferne. Sie erinnerte sich immer wieder an ihre Kindheit. Wie unbeschwert die Weihnachtsfeiertage immer gewesen waren. Es gab massig zu essen. Die Familie kam zusammen. Es wurde viel gelacht. Oft blieb die Verwandtschaft auch bis ins neue Jahr, oder man selbst blieb dort bis das alte Jahr sich verabschiedete. Irgendwann ließ das nach. Irgendwann war sie mit sich allein, und dem Hund. Früher schien wohl wirklich alles besser gewesen zu sein, dachte sie. Diese kindliche Unbeschwertheit. Sorglosigkeit. Alles worum man sich an Weihnachten sorgen machte, war dass hoffentlich alles von dem Wunschzettel unter dem Weihnachtsbaum lag. Schweren Herzens stapfte sie den Berg weiter hinauf. Sie schwitze trotz der eisigen Temperaturen.

Als sie den Gipfel erreichte, leuchteten bereits die ersten Sterne am Himmel und der Schnee zu ihren Füßen glitzerte im Schein des aufgegangenen Mondes. Sie hielt inne. Eigentlich sollte sie die Lampe anschalten, denn die Natur beherbergte tückische Gefahren, das wusste sie. Doch sie genoss es, wie sich die Dunkelheit um sie schmiegte, wie ein Liebhaber sanft ihre Arme um sie schloss. In der Dunkelheit fühlte sie sich geborgen. Aber in der Ferne konnte sie bereits die Schemen der Hütte sehen. Wusste was sie dort erwartet. Es trieb ihr die Tränen in die Augen. Mit einem tiefen Seufzen machte sie sich auf den Weg um die letzten Meter hinter sich zu bringen.
Der zunehmende Wind schlug seine Klauen eisig um sie und das Vorankommen war schwer. Doch sie war geübt. Sie stemmte sich gegen die Böen, ließ sich von der Erwartung auf ein warmes Feuer vorantreiben. Sorgenvoll schaute der Hund zu ihr auf, aber sie lächelte ihn nur unter Tränen an. Als sie die Tür zur ihrer Zuflucht erreicht hatten, zog sie ihre Handschuhe aus, wischte sich über die Augen, klopfte an und wartete bis ihr geöffnet wurde.

Mami, ist wieder da, tönte es, als ihr die Tür geöffnet wurde und zwei kleine Monster urplötzlich an den Beinen hingen. Freudig berichteten sie davon, wie sie mit Papi eine Tanne geschlagen hatten. Sie müsse sofort reinkommen und sie sich anschauen. Während er ihr den Rucksack mit den letzten Besorgungen abnahm, wurde sie bereits Richtung Kamin gezerrt, neben dem eine wunderschöne Tanne stand. Während sie sich die Geschichte des vergangenen Tages anhörte, in all ihren Einzelheiten, verräumte er den letzten Proviant und gesellte sich mit einer Kanne Tee zu der kleinen Gesellschaft.

Morgen würden sie alle zusammen den Baum schmücken. Gemeinsam Essen. Gemeinsam Lachen. Geschichten erzählen. Ihre Zeit miteinander teilen. Sorglos sein. Denn nun, nun schrieben sie ihre eigene Geschichte. Denn früher, früher war nicht alles besser. Es war nur anders. Und heute war gut wie es war, denn es war ihr heute. Sie fanden es nicht schlimm, wenn ihnen die Gedanken an früher eine gewisse Schwere ums Herz brachten, denn sie wussten, dass der Gedanke an heute mit Leichtigkeit beflügeln konnte.

Sind wir heute traurig über das was gestern war, so sollten wir doch stets mit Freude dem Morgen entgegen blicken.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s